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Yolanda Alther, Archäologischer Dienst Graubünden

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Ein Beitrag zum Verständnis alpiner Wirtschaftsformen in der Archäologie

ISBN: 978-3-906064-24-6
Umfang: 131 Seiten
Format: 29,70 x 21 cm
Einband: Paperback
Erschienen: April 2014
Reihe: Archäologie Graubünden, Band / Sonderheft 3

Kategorien:

€ 23.50

Die archäologische Untersuchung aufgelassener Temporärsiedlungen von Hirten und Sennen, so genannter Wüstungen, besitzt in den heimischen Alpen eine lange Tradition. In den letzten Jahren konnten sichere Nachweise für eine schon in urgeschichtlicher Zeit existierende, saisonale Hochweidewirtschaft erarbeitet werden. Demnach sind feste bauliche Installationen in Form von Alphütten, kleinen Unterständen und Viehpferchen spätestens in der Bronze- und Eisenzeit, also bereits im 2. und 1. Jahrtausend v. Chr. angelegt worden. Die überwiegende Mehrheit der heute noch zu Tausenden im alpinen Gelände erkennbaren Gebäuderuinen und überwachsenen Mauern stammt jedoch aus dem Mittelalter und der Neuzeit. Als stille Zeugen stellen sie häufig die einzigen Denkmäler einer verschwundenen und vergessenen fremden Welt dar, zu der Menschen unserer Zeit meist keinerlei Erfahrungszugang mehr besitzen. Eine gute Möglichkeit zur Interpretation derartiger alpiner Siedlungsstrukturen und deren Funktion bietet die Beobachtung traditioneller Bewirtschaftungsformen, wie sie noch heute im südalpinen Raum existieren. Im Untersuchungsgebiet, den Valli del Bitto in den Orobischen Alpen der Lombardei (I), findet sich eine saisonale Wanderung, die über eine mehrstufige Bewirtschaftung durchgeführt wird. Zur mobilen Weidewirtschaft werden hier rechteckige, mit einer mobilen Zeltplane überdachte Trockenmauerbauten, sog. calécc, benutzt, die als temporäre Wohnstätten und zur Käseherstellung dienen. Auf diese Weise wird während der sommerlichen Alpzeit bis zu 20-mal der Standort gewechselt. Heute findet sich diese Form der Alpbewirtschaftung auf nur noch 15 Alpen in den Valli del Bitto.
Der grosse Vorteil der vorliegenden ethnoarchäologischen Studie liegt – im Unterschied zu den funktionslosen, archäologischen Relikten – am noch lebenden Objekt. Die präzise Dokumentation illustriert ausgehend vom Bautyp calécc die Wanderungen der Familie Manni mit ihren Tieren auf der Alp Trona Soliva. Nebst der Bewirtschaftung der calécc, der Herstellung der alpwirtschaftlichen Produkte bìtto und maschérpa und der verwendeten Gerätschaften konnten auch alle weiteren Strukturen, wie die heute nicht mehr genützten Hirtenschlafstätten bàitéj, dokumentiert werden. Ergänzt wird die Arbeit durch mehr als 140 Schwarz-Weiss-Abbildungen.

Die archäologische Untersuchung aufgelassener Temporärsiedlungen von Hirten und Sennen, so genannter Wüstungen, besitzt in den heimischen Alpen eine lange Tradition. In den letzten Jahren konnten sichere Nachweise für eine schon in urgeschichtlicher Zeit existierende, saisonale Hochweidewirtschaft erarbeitet werden. Demnach sind feste bauliche Installationen in Form von Alphütten, kleinen Unterständen und Viehpferchen spätestens in der Bronze- und Eisenzeit, also bereits im 2. und 1. Jahrtausend v. Chr. angelegt worden. Die überwiegende Mehrheit der heute noch zu Tausenden im alpinen Gelände erkennbaren Gebäuderuinen und überwachsenen Mauern stammt jedoch aus dem Mittelalter und der Neuzeit. Als stille Zeugen stellen sie häufig die einzigen Denkmäler einer verschwundenen und vergessenen fremden Welt dar, zu der Menschen unserer Zeit meist keinerlei Erfahrungszugang mehr besitzen. Eine gute Möglichkeit zur Interpretation derartiger alpiner Siedlungsstrukturen und deren Funktion bietet die Beobachtung traditioneller Bewirtschaftungsformen, wie sie noch heute im südalpinen Raum existieren. Im Untersuchungsgebiet, den Valli del Bitto in den Orobischen Alpen der Lombardei (I), findet sich eine saisonale Wanderung, die über eine mehrstufige Bewirtschaftung durchgeführt wird. Zur mobilen Weidewirtschaft werden hier rechteckige, mit einer mobilen Zeltplane überdachte Trockenmauerbauten, sog. calécc, benutzt, die als temporäre Wohnstätten und zur Käseherstellung dienen. Auf diese Weise wird während der sommerlichen Alpzeit bis zu 20-mal der Standort gewechselt. Heute findet sich diese Form der Alpbewirtschaftung auf nur noch 15 Alpen in den Valli del Bitto.
Der grosse Vorteil der vorliegenden ethnoarchäologischen Studie liegt – im Unterschied zu den funktionslosen, archäologischen Relikten – am noch lebenden Objekt. Die präzise Dokumentation illustriert ausgehend vom Bautyp calécc die Wanderungen der Familie Manni mit ihren Tieren auf der Alp Trona Soliva. Nebst der Bewirtschaftung der calécc, der Herstellung der alpwirtschaftlichen Produkte bìtto und maschérpa und der verwendeten Gerätschaften konnten auch alle weiteren Strukturen, wie die heute nicht mehr genützten Hirtenschlafstätten bàitéj, dokumentiert werden. Ergänzt wird die Arbeit durch mehr als 140 Schwarz-Weiss-Abbildungen.